Lumière

Das zweite Trauma - Das ungesühnte Massaker von Sant'Anna di Stazzema

D 2016, 72 Min.
Regie: Jürgen Weber

In dem nordtoskanischen Bergdorf Sant'Anna di Stazzema wurden im Sommer 1944 rund 560 Menschen von Einheiten der Waffen-SS teils unvorstellbar grausam umgebracht. 2015 wurde das Verfahren gegen den letzten noch lebenden Kriegsverbrecher dieses Massakers in Deutschland eingestellt. In seinem Autorenfilm "Das zweite Trauma - Das ungesühnte Massaker von Sant'Anna di Stazzema" zeichnet Jürgen Weber juristische Sachverhalte nach. Der Film lässt aber auch den Erinnerungen und Emotionen der Überlebenden Raum. Allesamt damals als Kinder buchstäblich den Leichenbergen entstiegen und verwaist. Auf das erste Trauma folgte das der in Italien verspäteten, in Deutschland verhinderten juristischen Aufarbeitung. Die Opfer wollen keine alten Männer im Gefängnis sehen. Nicht Rache wollten sie, sondern die Anerkennung des Unrechts - auch und gerade von offizieller deutscher Seite.
"Das zweite Trauma" - das sind über Jahrzehnte versteckte Ermittlungsakten in Italien. Ein von deutschen Behörden verschlepptes Ermittlungsverfahren. Eine Einstellungsbegründung der Staatsanwaltschaft Stuttgart, welche die Grausamkeit und die niedrigen Beweggründe der Täter als Mordmerkmal nicht erkennen wollte.
Ein ganz besonderes Werk. Eines der letzten Zeugnisse von NS-Verbrechen - das Zeugnis der Kinder des Massakers von Sant´Anna. Eine schonungslose Aufklärung über ein lange verdrängtes Kapitel deutsch-italienischer Realität.

Montag 29.5. um 20.00 Uhr
Regisseur Jürgen Weber ist zu Gast im Kino.
In Kooperation mit dem Verein NS-Familien-Geschichte: hinterfragen - erforschen - aufklären e.V.